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Kaffee schadet der Gesundheit

Seit der Entdeckung des Kaffees im 15. Jahrhundert haben Gesundheitsapo­stel aller Zeiten und Länder ebenso unermüdlich wie vergeblich versucht, den Liebhabern des dunklen Gebräus ihr Laster auszutreiben. Alles getreu dem Motto: Was den Menschen Spaß macht, kann doch nicht gesund sein.

Das erste Kaffeeverbot »aus gesundheitlichen Gründen« wurde 1511 in Mekka erlassen - und mit Hilfe eines Gegengutachtens und eines kaffeebe­geisterten Sultans schon bald danach wieder aufgehoben. In der Türkei drohte Kaffeetrinkern 1633 die Todesstrafe. Weil selbst das nichts half, wurde sie durch eine Steuer auf Kaffeehäuser ersetzt. Als der Orientalentrank Eu­ropa im Siegeszug einzunehmen drohte, hoben auch hier die medizinischen Gelehrten warnend den Zeigefinger. Ein Dr. Coulomb, Arzt aus Marseille, at­testierte den gerösteten Bohnen im Jahr 1679 eine austrocknende Wirkung auf Nieren, Nerven und Gehirn, und prophezeite, am Ende trete »allgemeine Erschlaffung ein, Paralyse und Impotenz«.

Bis in unsere Tage wird das Schreckgespenst des schädlichen Kaffees be­schworen. Der Kaffee stresse die Nebenniere, er blockiere die Blutzirkulation in den Hautgefäßen. Die Nerven mache er flattrig, was man am Schweiß in den Achselhöhlen und am beschleunigten Stuhlgang merken könne, so der Präsident der Naturheilärzte Anno Domini 1995. Ach ja, und wer nichts merkt, »dessen Nervensystem ist bereits total abgebrüht und reaktionstaub geworden«. Schlimm, schlimm!

Mit den Malaisen und Befindlichkeitsstörungen, für die der Kaffee zumin­dest mitverantwortlich sein soll, ließe sich locker ein kleines medizinisches Lexikon füllen. Die Anklagepunkte reichen von diversen Stoffwechselstörun­gen, über Magen-Darm- und Leberleiden, Herz- und Gefäßkrankheiten bis hin zu rheumatischen Beschwerden. Außerdem soll Kaffee - wen wundert's? - natürlich auch Krebs verursachen. Doch wo ist der Beweis?

Kein anderes Getränk - von Alkohol einmal abgesehen - wurde von der Ernährungsmedizin so oft und so genau unter die Lupe genommen wie Kaf­fee. Dabei wurden immer wieder Vorwürfe laut, Kaffee würde das Herzin­farktrisiko erhöhen. Vor allem eine norwegische Studie hatte eine beein-

druckende Korrelation gefunden, die in Deutschland sofort in der Empfeh­lung gipfelte, keinen Kaffee zu trinken, obwohl Korrelationen nichts über ei­nen ursächlichen Zusammenhang besagen. Nach sechs weiteren Jahren der Beobachtung widerriefen die norwegischen Forscher ihr Ergebnis, weil sich der rechnerische Zusammenhang inzwischen vollständig verflüchtigt hatte.

Aufgrund zahlreicher Untersuchungen läßt sich heute festhalten, daß Kaf­fee weder Herzinfarkt noch Schlaganfall verursacht, weder Gicht noch Dia­betes. Bei Krebs kommt die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) nach Auswertung aller verfügbaren Studien zu dem Ergebnis, daß Kaffee keinen Einfluß auf die Krebshäufigkeit hat. Lediglich beim Blasen­krebs wurde gelegentlich ein geringfügig erhöhtes Risiko beobachtet. Wurde jedoch das Rauchen mitberücksichtigt, schwächten sich auch hier die Korre­lationen ab.

Ein anderer Effekt, der dem Verbraucher aus naheliegenden Gründen gerne verschwiegen wird, findet bei der Forschung zunehmend Interesse: Mutmaßlich schützt Kaffee die Leber vor den nachteiligen Folgen des Alko­holkonsums. Nicht nur daß Kaffeetrinker seltener an Leberzirrhose erkran­ken, sie haben auch bessere Leberwerte (GGT, Gammaglutamyltransferase) als Kaffeeverächter.

Bis sich die Experten zu einer Empfehlung für den Kaffee durchringen können, werden wir wohl noch das ein oder andere Täßchen schlürfen.



Quellen:

I. Stensvold et al.: Cohort study of coffee intake and death from coronary heart disease over

12years. British Medical Journal 1996/312/S.544 K. Tanaka et al.: Coffee consumption and decreased serum gamma-glutamyltransferase

activities among male alcohol drinkers. International Journal of Epidemiology

1998/27/S.438 S. Garattini (Ed): Monographs of the Mario Negri Institute for Pharmacological Research:

Caffeine, coffee, and health. New York 1993 G. Debry. Coffee and health. Paris 1994 R. K. Müller, O. Prokop: Geschichte der Genußgifte. In: M. Amberger-Lahrmann, D. Schmähl

(Eds): Gifte: Geschichte der Toxikologie. Berlin 1988, S.253 IARC/WHO: Coffee, tea, mate, methylxanthines and methylglyoxal. Monographs on the

Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans Vol 51. Lyon 1991 I. Abele, J. Abele: Ursachen der Appetitlosigkeit. Naturarzt 1995, Heft 4



Kaffee macht süchtig

Zweifellos ruft Kaffeegenuß körperliche und geistige Wirkungen hervor. So lesen wir in einem toxikologischen Fachbuch: »Koffein ist nach heutigen Auf­fassungen vorwiegend durch seine Wirkung auf kortikale Strukturen des Zentralnervensystems charakterisiert, durch eine Hebung des Wachzustan­des, der Konzentrations- und Assoziationsfähigkeit. ... Müdigkeit und Schlafneigung [werden] vermindert. Milde Antriebssteigerung und gestei­gerter Rededrang fördern die Hinwendung zur sozialen Umwelt. Insgesamt wird ein gehobenes Lebensgefühl bis zur milden Euphorie vermittelt, so daß sich eine schwer zu entbehrende Gewohnheit - allerdings ohne ausgeprägte Suchtgefahr - einstellen kann.« Ist das nicht eine entzückende medizinische Formulierung für »Kaffee macht munter und hebt die Laune - trinkst du auch 'ne Tasse mit«?

Eine gewisse Abhängigkeit scheint Kaffee aber gleichwohl hervorzurufen. Das zeigt sich spätestens dann, wenn starke Kaffeetrinker ihren Konsum ein­schränken oder ganz aufgeben. Spätestens einen Tag nach ihrer letzten Tasse stellen sich Kopfschmerzen, Müdigkeit, manchmal auch leichte Übelkeit ein

- ganz eindeutig Entzugserscheinungen. Die Symptome klingen jedoch nach
wenigen Tagen ab.

Nicht selten ist Kaffee-Entzug für die sogenannte Wochenendmigräne ver­antwortlich. Die befällt Menschen, die am Arbeitsplatz regelmäßig Kaffee trinken, zu Hause aber nicht oder nur koffeinfreien. So manchem Kaffee­freund wurde wegen vermuteter familiärer Probleme (Arbeit ohne Familie und ohne Kopfschmerzen; Wochenende mit Familie und mit Kopfschmer­zen) schon zur Familientherapie geraten - vergeblich, wie man sich denken kann.

Aber was ist es, das die Menschen so hartnäckig an dem bitter und ver­brannt schmeckenden Gebräu festhalten läßt? Ausgerechnet die teetrinken­den Japaner lüfteten das Geheimnis: Die euphorisierende Wirkung geht vom Koffein aus. Sie konnten zeigen, daß es den Serotoningehalt im Gehirn er­höht. Serotonin dient dem Nervensystem als Botenstoff; seine Aufgabe ist es

- vereinfacht gesagt -, die guten Nachrichten zu überbringen. Unser seeli-

sches Wohlbefinden ist eng an das Serotonin gekoppelt; so gehen Depressio­nen oft mit Störungen im Serotoninhaushalt einher: Wenn der Serotonin-spiegel sinkt, sinkt auch die Stimmung. Serotonin ist lichtabhängig, das er­klärt, warum viele Menschen morgens unbedingt ihr Täßchen Kaffee brau­chen, um »in die Gänge« zu kommen. Und mit der Kaffeestunde am Nachmittag - wenn die Lichtmenge wieder abnimmt - verlängern wir bio­chemisch gesehen den Tag.

Es ist demnach kein Zufall, daß die Skandinavier von allen Europäern den meisten Kaffee aufbrühen, die sonnenverwöhnten Mittelmeeranrainer dage­gen am wenigsten. Um im hellen Licht des Südens überhaupt noch eine spür­bare Wirkung hervorzurufen, muß der Kaffee hoch konzentriert sein - was zur Erfindung des Espressos geführt hat. Die Schweden dagegen brauen einen schwächeren Aufguß, den sie dafür den lieben langen Tag schlürfen. Durch diese besondere Form des Spiegeltrinkens liegt ihr Pro-Kopf-Verbrauch an Rohkaffee um ein Vielfaches höher als der in Italien oder Griechenland. So gesehen sollte Kaffee doch eher als mildes, nebenwirkungsarmes Antidepres-sivum gelobt, denn als schwarzes Gift geschmäht werden ...



Quellen:

Deutscher Kaffee-Verband: Daten und Hintergründe Welt, Europa und Deutschland. Kaffee-Digest 1, Hamburg 1999

R.K. Müller, O. Prokop: Geschichte der Genußgifte. In: M. Amberger-Lahrmann, D. Schmähl (Eds): Gifte: Geschichte der Toxikologie. Berlin 1988, S. 253

J. F. Greden, A. Walters: Caffeine. In: J. H. Lowinson et al. (Eds): Substance abuse. A comprehen-sive textbook. Baltimore 1992, S. 357

H. Yokogoshi, Y. Kato: Dose-dependent changes in brain 5-hydroxyindoles caused by caffeine in rats. Bioscience, Biotechnology, and Biochemistry 1992 / 56 / S. 2083



Kaffeeverbrauch in Europa 1997

Pro-Kopf-Verbrauch an Rohkaffee in Kilogramm



Der Kaffeekonsum in Europa unterliegt einem deutlichen Nord-Süd-Gefälle. Die Briten stellen nur scheinbar eine Ausnahme dar. Sie verbrauchen nämlich zusätzlich noch 2,4 Kilogramm Tee pro Kopf und Jahr, das entspricht im KofFeingehalt 7,8 Kilogramm Kaffee! Auf dem Kontinent dagegen ist der Teeverbrauch minimal.




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